Gemeinsam stärker, oder: eine gelungene Gruppenleistung

Am 23.06.2018 fand die feierliche Examensentlassung des Kurses 02/17 statt, die zum wiederholten Male in der Schulaula des Gymnasiums Athenaeum in Stade abgehalten wurde. Ein bunter Reigen unterhaltsam-informativer Wort- und Musikbeiträge ließ den ansonsten trüben norddeutschen Regentag ein wenig bunter erscheinen. Und man war sich am Ende des Tages dahingehend einig: Dieser Examenskurs hat das Zeug dazu, die Schulen durch guten Unterricht voranzubringen.

Bereits um kurz vor zehn Uhr morgens läuteten an einem Samstagmorgen die Glocken der Stader St. Wilhadi-Kirche, und zwar exklusiv für das Stader Lehrerseminar, dessen Absolventen nun schon zum neunten Mal in Folge einen Gottesdienst zum Ende des Referendariats ausrichteten. Musikalisch untermalt an der Orgel von Herrn Prof. Martin Böcker brachten die frisch gebackenen Lehrer und Lehrerinnen unter dem Motto "Gemeinsam statt einsam" zum Ausdruck, dass strapaziöse Zeiten und andere Herausforderungen am besten im Verbund mit anderen Menschen bewältigt werden. Der der Zusammenarbeit dabei oft zuwiderlaufende Rangstreit untereinander wurde als Problem eigens thematisiert und von den Referendaren der Fachgruppe Ev. Religion und ihrem Ausbilder, Herrn StD Christoph Behrends, in einem kleinen Anspiel verdeutlicht: Wie die Organe und Glieder eines menschlichen Körpers nur gemeinsam "funktionieren" und zum Ziel gelangen könnten, so seien auch ein Referendarskurs, ein Seminar und eine ganze Schule nur erfolgreich, wenn die individuellen Gaben und Stärken der Einzelnen zum Zuge kommen könnten. Diese aus dem Neuen Testament bekannte Metapher des "Leibes und seiner Glieder" wurde mit Bezug auf Röm 12 in der Ansprache von Herrn Superiuntendent Dr. Thomas Kück auch noch theologisch interpretiert und mit zahlreichen Bezügen zur Schulwirklichkeit veranschaulicht. Als weitere sinnbildliche "Aktion" wurde während des Gottesdienstes ein Foto des Examenskurses als Puzzle in Einzelteilen ausgeteilt und gegen Ende des Gottesdienstes am Altar wieder zusammengesetzt (s. Fotostrecke unten). In einem Grußwort versicherte die Beauftragte für Schule und Kirche im Sprengel Stade, Frau Schulpastorin Amely Lißner von der HPS Buxtehude, dass die angehenden jungen Lehrkräfte auch zukünftig nicht alleine seien und in der Hannoverschen Landeskirche einen "starken Partner" hätten, der in vielen Konfliktsituationen des Schulalltages vermitteln könne. 

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In der Entlassungsfeier im Athenaeum drückte Herr OStD Ulrich Amthor vor allem seinen Respekt vor der ungewöhnlich großen Examensleistung des Kurses 02/17 aus, der trotz eines bekanntermaßen strengen Anspruchs der Ausbildung in Stade eine Gesamtdurchschnittsnote von 1,9 erreicht habe. Der bislang zahlenmäßig größte Examenskurs sei dabei erstaunlicherweise zugleich der erfolgreichste gewesen. Bedauerlicherweise musste Herr Amthor auch bekennen, dass es für ihn zugleich der allerletzte Kurs gewesen sei, den er vor seiner bevorstehenden Pensionierung im Herbst 2018 noch verabschieden durfte. In einem kurzen Schlussplädoyer wurde Herr Amthor regelrecht emotional, als er die angehenden Studienräte und -rätinnen ersuchte, der einzigen natürlichen Ressource Deutschlands, der Bildung, stets besondere Wertschätzung entgegenzubringen und sie auch gegen manche bildungspolitischen Moden und Marotten zu verteidigen. 

Als Gastgeber und zugleich Vertreter aller Ausbildungsschulen verdeutlichtete Herr OStD Niestroj vom Athenaeum Stade in einem erheiternden und erhellenden Schnelldurchgang durch die Geschichte des Lehramtes, dass Lehrer zwar sumerischen Quellen zufolge schon vor Jahrtausenden mit ihrer Arbeit oft überfordert schienen, dass aber die Bedingungen für die Arbeit der Unterrichtenden auch selten so günstig gewesen seien wie heute. 

Auch die Ansprache der Ausbilder, ein letztes Mal vor ihrer eigenen Pensionierung gehalten von der Ausbilderin im Fach Deutsch, Frau StD' Renate Fuchs-Zerjathke, widmete sich der Rolle des Lehrers (Fußnote 1: alle Gruppen- und Berufsbezeichnungen wurden geschlechtsneutral verwendet), die am besten im Sinne des Autors Elias Canettis mit der eines Schauspielers zu vergleichen sei. Zwar müsse man bei der Ausübung der zahlreichen "Rollen" des Schulalltags stets authentisch bleiben, aber wie ein Schauspieler müsse man seine "Zuschauer", die Schüler, in seinen Bann schlagen, eine Beziehung zu ihnen aufbauen und sie nicht zuletzt durch "Textsicherheit" (Sicherheit im Stoff) fachlich überzeugen. Lehrkräfte, die dazu nicht fähig oder bereit seien, würden von ihren Lerngruppen auch zurecht "ausgebuht". 

Weitere Grußworte wurden von Herrn Ahrens von der Bildungsstiftung an die Preisträger der diesjährigen Auszeichnung für angefertigte schriftliche Hausarbeiten aus den Rubriken "Innovatives Lernen" oder "Außerschulische Lernorte" gerichtet, die beide dem Fachbereich Physik angehörten. Die beiden prämierten, besonders gelungenen Hausarbeiten werden hier demnächst auch zum Nachlesen in der Rubrik "Auszeichnungen" bereitgestellt. Auch die Referendarskurse 02/17 und 08/17 wandten sich mit kurzen Grußworten und Sketchen an die gut gelaunte Festgemeinschaft der Examinerten und ihrer Familien und Freunde. 

Die musikalische Untermalung des Vormittages übernahm wie immer die Fachgruppe Musik unter Leitung von StD Frank Münter. Spätestens als die Stadt Stade jedoch gegen Mittag ihre Alarmsirenen testete, wurde allen Anwesenden bewusst, dass der Worte nun genug gewechselt waren, so dass man zur Zeugnisübergabe und dem anschließenden Umtrunk überging. 

 

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